Vergleichstabelle zu Dichte, E-Modul, Festigkeit, Temperatur und Kosten von Metallen, Kunststoffen und Keramik
Bild: Werkstoffgespräch

Metalle

Teil von Materialauswahl Kriterien für die industrielle Praxis

Materialauswahl Kriterien im Vergleich: Metalle, Kunststoffe, Keramik

Materialauswahl Kriterien im Vergleich: Metalle, Kunststoffe und Keramik bei Festigkeit, Steifigkeit, Temperatur, Korrosion und Kosten je Kilogramm 2024 ohne MwSt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Metalle liegen bei Steifigkeit und Temperaturbeständigkeit vorn, Kunststoffe bei geringer Dichte und Gestaltungsfreiheit.
  • Keramik erreicht die höchsten Einsatztemperaturen, ist aber spröde und teuer.
  • Die Materialkosten je Kilogramm reichen 2024 ohne MwSt. von etwa 1 Euro bei Baustahl bis über 60 Euro bei Hochleistungspolymeren.
  • Genormte Prüfungen machen Kennwerte vergleichbar, etwa nach DIN EN ISO 6892-1 und DIN EN ISO 527-2.
  • Korrosionsschutz entsteht bei Metallen durch Legierung oder Beschichtung, bei Kunststoffen und Keramik durch den Werkstoff selbst.

Fünf Kriterien im direkten Vergleich

Metalle

Dichte in g/cm3
2,7 bis 8,0
E-Modul in GPa
70 bis 210
Zugfestigkeit in MPa
200 bis 1.200
Bruchdehnung
5 bis 40 Prozent
Dauergebrauchstemperatur
150 bis 600 Grad

Kunststoffe

Dichte in g/cm3
0,9 bis 1,4
E-Modul in GPa
1 bis 4
Zugfestigkeit in MPa
50 bis 80, mit Fasern über 1.000
Bruchdehnung
5 bis 300 Prozent
Dauergebrauchstemperatur
80 bis 250 Grad

Keramik

Dichte in g/cm3
3,0 bis 4,0
E-Modul in GPa
300 bis 400
Zugfestigkeit in MPa
300 bis 800
Bruchdehnung
unter 1 Prozent
Dauergebrauchstemperatur
800 bis 1.200 Grad

Die Tabelle zeigt den Grundkonflikt jeder Materialauswahl. Keramik ist steif und warmfest, aber kaum verformbar. Metalle verbinden Festigkeit mit Duktilität. Kunststoffe sind leicht, verlieren aber oberhalb ihrer Glasübergangstemperatur schnell an Steifigkeit.

Werkstoffklassen im Kennwerte-Vergleich

Metalle

Dichte (g/cm³)
2,7–8,0
E-Modul (GPa)
70–210
Zugfestigkeit (MPa)
200–1.200
Bruchdehnung
5–40 %
Dauergebrauchstemperatur
150–600 °C

Kunststoffe

Dichte (g/cm³)
0,9–1,4
E-Modul (GPa)
1–4
Zugfestigkeit (MPa)
50–80
Bruchdehnung
5–300 %
Dauergebrauchstemperatur
80–250 °C

Keramik

Dichte (g/cm³)
3,0–4,0
E-Modul (GPa)
300–400
Zugfestigkeit (MPa)
300–800
Bruchdehnung
< 1 %
Dauergebrauchstemperatur
800–1.200 °C

Festigkeit, Steifigkeit und Prüfnormen

Kennwerte entstehen im Zugversuch und sind genormt. Für metallische Werkstoffe gilt DIN EN ISO 6892-1, für Kunststoffe gilt die Reihe ISO 527. Keramik prüft man nach DIN EN 843-1 im Biegeversuch, weil sich schulterförmige Zugproben kaum fertigen lassen. Die Normungsarbeit zu Materialprüfverfahren und Werkstoffkennwerten bündelt der Normenausschuss Materialprüfung (NMP).

Steifigkeit ist nicht gleich Festigkeit. Ein Bauteil aus Aluminium verformt sich bei gleicher Last rund dreimal so stark wie eines aus Stahl, weil der E-Modul bei etwa 70 gegen 210 Gigapascal liegt. Faserverstärkte Kunststoffe lassen sich über die Faserorientierung gerichtet auslegen. Keramik verträgt Druck, aber kaum Zug.

Für Kunststoffe und ihre Prüfverfahren ist der Fachnormenausschuss Kunststoffe zuständig. Dort werden unter anderem Probenformen und Prüfbedingungen für Thermoplaste und Duromere festgelegt. Ohne diese Festlegungen sind Kennwerte aus Datenblättern nicht vergleichbar, weil Probengeometrie und Prüfgeschwindigkeit das Ergebnis stark beeinflussen.

Temperaturbeständigkeit und Korrosionsverhalten

Metalle bleiben bis etwa 40 Prozent ihrer Schmelztemperatur formstabil. Aluminiumlegierungen arbeiten dauerhaft bis etwa 150 Grad, warmfeste Stähle bis 600 Grad. Unlegierter Stahl rostet in feuchter Umgebung, Edelstahl 1.4301 nur unter Chlorideinfluss. Entscheidend ist die Passivschicht, die sich neu bilden kann, solange Sauerstoff vorhanden ist.

Technische Kunststoffe liegen zwischen 80 und 150 Grad, PEEK schafft bis 250 Grad. Sie korrodieren nicht, quellen aber in Kontakt mit Lösemitteln oder nehmen Wasser auf. Keramik aus Aluminiumoxid oder Siliziumnitrid bleibt bis über 1.000 Grad einsatzfähig und ist gegen fast alle Medien beständig. Sprödbruch bleibt das Hauptrisiko.

Auch die Kreislauffähigkeit unterscheidet die Klassen. Die Europäische Umweltagentur beschreibt Materialverbrauch und Kreislaufwirtschaft in Europa. Metalle lassen sich fast vollständig einschmelzen, Kunststoffe verlieren bei jedem Zyklus Eigenschaften, Keramik wird überwiegend deponiert oder gebrochen verfüllt. Das Umweltbundesamt beschreibt Ressourcennutzung und ihre Folgen für Rohstoffe und Abfall.

Kosten: Euro je Kilogramm ohne MwSt.

Die folgenden Spannen gelten für Halbzeuge in Deutschland, Stand 2024, ohne Mehrwertsteuer. Sie sind Orientierungswerte, weil Legierung, Type, Abnahmemenge und Lieferform den Preis stark verschieben.

Werkstoff Typische Kosten je Kilogramm

Materialkosten je Kilogramm 2024

  • Baustahl S2350,70–1,00 €
  • Edelstahl 1.43013,00–5,00 €
  • Aluminium AlMg32,50–3,50 €
  • Polyamid PA62,00–4,00 €
  • PEEK60,00–90,00 €
  • Aluminiumoxid Al2O320,00–40,00 €

Rechenbeispiel: Materialkosten eines Trägers

Ein Träger mit 2 Kilogramm Masse kostet aus Baustahl bei 0,85 Euro je Kilogramm rund 1,70 Euro Material. Dasselbe Bauteil aus AlMg3 kommt bei 3,00 Euro je Kilogramm auf etwa 6,00 Euro, aus PEEK bei 75,00 Euro je Kilogramm auf rund 150,00 Euro.

Die Rechnung enthält keine Fertigung, keinen Ausschuss und keine Nacharbeit. Sie zeigt nur die Materialseite und ist als Beispiel gekennzeichnet.

Normen und typische Anwendungen

Baustähle nach DIN EN 10025 tragen Träger und Fahrzeugrahmen, Aluminium nach DIN EN 573 dominiert den Leichtbau. Edelstahl nach DIN EN 10088 steht in Lebensmitteltechnik und Medizin.

Kunststoffe wie PP, PA und POM decken Gehäuse, Rohrleitungen und Zahnräder ab, PEEK übernimmt Dichtungen in der Chemie. Keramik aus Aluminiumoxid sitzt in Dichtscheiben und Isolatoren, Siliziumnitrid in Wälzlagern und Zerspanungswerkzeugen, Zirkonoxid in der Medizintechnik.

Korrosionsprüfungen regelt DIN EN ISO 9227 mit dem Salzsprühnebel, Grundbegriffe der Korrosion DIN EN ISO 8044. Diese Normen liefern die Vergleichsbasis, auf der Konstrukteure Werkstoffe gegeneinander abwägen.

Häufige Fragen

Welches Kriterium entscheidet zuerst?

Zuerst wirkt die Funktion: Temperatur, Medium und Lastkollektiv grenzen die Klassen ein. Erst danach folgen Steifigkeit, Fertigung und Kosten je Kilogramm.

Wann ist Keramik die bessere Wahl?

Bei hohen Temperaturen, starker abrasiver Belastung und Druckbeanspruchung. Sie ist erste Wahl bei Dichtscheiben, Verschleißplatten und Lagern für hohe Drehzahlen.

Warum reicht der E-Modul allein nicht?

Der E-Modul beschreibt nur die Steifigkeit im elastischen Bereich. Bruchdehnung, Zähigkeit und Zeitstandverhalten entscheiden, ob ein Bauteil im Einsatz hält.

Wie stark schwanken die Kosten je Kilogramm?

Deutlich, je nach Legierung, Type, Lieferform und Abnahmemenge. Halbzeugpreise sind nur ein Teil der Bauteilkosten, hinzu kommen Fertigung, Ausschuss und Wärmebehandlung.

Welche Rolle spielt die Dichte?

Leichtbau entscheidet sich oft über die Dichte. Kunststoffe liegen bei 0,9 bis 1,4 Gramm je Kubikzentimeter, Aluminium bei 2,7, Stahl bei 7,85. Keramik ist mit 3,0 bis 4,0 schwerer als Aluminium.

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